Lebensgeschichte
Ein Grieche aus einer wohl schon christlichen Familie, der gebildete Irenäus von Lyon, erblickte um 135 in Smyrna das Licht der Welt. Seine Bildung verdankte er offenbar dem großen Polykarp von Smyrna, dessen Schüler er wurde. Als junger Mann fand er seinen Weg nach Lyon in Frankreich, wo er in einer Kolonie kleinasiatischer Händler arbeitete.
Historisch trat Irenäus erstmals als Presbyter der griechischsprachigen Gemeinde von Lyon in Erscheinung. Während einer der Verfolgungen schickten inhaftierte Christen aus Vienne und Lyon ihn mit einem Empfehlungsschreiben und einer Stellungnahme zur Frage des Montanismus nach Rom. Diese Mission bewahrte ihn wahrscheinlich vor dem Märtyrertod, den viele Christen in Lyon während seiner Abwesenheit erlitten. Bei seiner Rückkehr wählte die Gemeinde ihn - wohl 177 oder 178 - zum Bischof.
In den Auseinandersetzungen mit den Lehren des Gnostizismus verfasste Irenäus um 180 die klassisch gewordene Polemik "Adversus haereses". Diese Schrift, in fünf Büchern, wurde zu einer umfassenden Übersicht über den christlichen Glauben und eine entschlossene Widerlegung der Irrlehren. Auch seine kleine Schrift "Erweis der apostolischen Verkündigung" wurde 1904 entdeckt und enthüllt Irenäus' tiefgreifende Katechese und christologische Interpretation alttestamentlicher Texte.
Irenäus stellte die Kirche in ihrer Ursprünglichkeit und Einigkeit gegen die Irrlehren dar. Er betonte die Legitimität der Kirche durch die apostolische Sukzession der Bischöfe, insbesondere der Bischöfe von Rom. Sein Werk unterstrich die Bedeutung der Bibel als "Kanon der Wahrheit". Gegen gnostische Vorstellungen betonte er den Glauben an den einzigen Gott und Schöpfer, die Bejahung des Lebens in der Welt, die Bedeutung der Ethik und die Erwartung der Wiederkunft Christi. Irenäus' Geschichtsbild war teleologisch, geprägt von einem tiefen Verständnis für Gottes Heilsplan und die Erlösung durch die Menschwerdung Christi.