Elisabeth von Schönau

Lebensgeschichte

Geboren in Bingen, Rheinland-Pfalz, im Jahr 1129, erwuchs Elisabeth von Schönau als Tochter einer adeligen Familie. Bereits im Alter von 12 Jahren wurde sie in das Doppelkloster Schönau der Benediktiner in Strüth im Taunus aufgenommen. Dort, in der Stille des Klosters, nahm ihre spirituelle Reise ihren Anfang. Elisabeth trat 1147 in den Orden ein und wurde 1157 zur Vorsteherin des Frauenkonvents ernannt. Ihr Leben war von tiefer Hingabe an Gott geprägt, doch begleitete sie auch eine ständige Schwermut. Als Kind kränklich, fand sie Trost im Gebet, der Askese und der Kontemplation. Ihr Bruder Egbert, der Abt des Männerklosters von Schönau, dokumentierte ihre mystischen Erlebnisse, die im Mittelalter weit verbreitet waren. Die mystischen Erfahrungen begannen für Elisabeth am Pfingstfest 1152, als ihr Visionen zuteilwurden. Ihre Hingabe und Frömmigkeit manifestierten sich in Schriften wie dem "Liber viarum Dei" von 1156, das die Wege der Menschen zum ewigen Heil allegorisch thematisierte. Kritik und Belehrung für verschiedene Stände fanden sich in diesem Werk ebenso wie in Briefen und im "Liber revelationum de sacro exercitu virginum Coloniensium". Die letzten Jahre ihres Lebens waren von Visionen geprägt, die von der Begegnung mit Himmelsbewohnern bis zu prophetischen Bildern reichten. Ihr Werk, von Bruder Egbert redaktionell bearbeitet, trug zur Entwicklung der Frauenmystik des späteren Mittelalters bei. Elisabeth von Schönau starb im Alter von 35 Jahren in Strüth bei Nastätten nach einem visionsreichen Todeskampf. Ihr spirituelles Erbe überdauerte die Zeiten. Im Mittelalter war Elisabeth weit bekannter als Hildegard von Bingen. Sie wurde in der Klosterkirche Schönau beigesetzt, doch im 30-jährigen Krieg wurden ihre Gebeine zerstreut. Nur die Schädeldecke blieb erhalten und wird heute in einem Reliquiar in der Kirche aufbewahrt. Das ehemalige Kloster Schönau, einst ein Ort der Stille und Mystik, erinnert an das Leben und Wirken dieser bemerkenswerten Äbtissin und Mystikerin.