Lebensgeschichte
Geboren im idyllischen Tongern im Jahr 1182, fand Luitgard von Tongern schon früh ihre Berufung im mystischen Weg des Glaubens. Nach einer tiefen Erscheinung des leidenden Jesus entschied sie sich, dem Ruf zu folgen und trat in das Benediktinerinnenkloster in Sint-Truiden ein. Ihr innerer Drang führte sie 1205 zur Wahl als Priorin, doch die Verpflichtungen dieser Position trieben sie dazu, im Jahr 1206 in das Zisterzienserinnenkloster Aywières bei Ottignies zu fliehen.
Dort lebte Luitgard ein Leben der Askese und Zurückgezogenheit. In ihrer Abgeschiedenheit erlebte sie tiefe mystische Erfahrungen, durch die sie die Gabe der Krankenheilung und die Fähigkeit zur Bekehrung von Sündern erlangte. Im Mittelpunkt ihrer Visionen standen die Geheimnisse des Blutes Christi und des Herzens Jesu, die sie in ihrem Gebet vertiefte.
Um die Albigenser zu bekehren, fastete Luitgard erstaunliche 14 Jahre lang, ein beeindruckendes Opfer für die Rettung der Seelen. Trotz dieser intensiven Hingabe verlor sie in den letzten elf Jahren ihres Lebens ihr Augenlicht. Doch selbst in der Dunkelheit ihrer Blindheit leuchtete das innere Licht ihres Glaubens und ihrer mystischen Erfahrungen.
Am 16. Juni 1246 entschlief Luitgard von Tongern in Aywières. Ihre Geschichte erzählt von einer Nonne und Mystikerin, deren Leben von Hingabe, Opfer und mystischer Verbundenheit mit dem Göttlichen geprägt war. Luitgard bleibt als lebendiges Zeugnis der heiligen Mystik und der Kraft des Gebets in Erinnerung.