Lebensgeschichte
Um das Jahr 1045, auf der malerischen Burg Londefort in Wierre-Effroy, Frankreich, wurde die junge Godeleva geboren. Als Tochter von Heinfried und Odgiva war ihr Schicksal von Anfang an von einem Pfad der Heiligkeit geprägt. Godeleva wurde mit dem flämischen Adligen Berthold van Snipgate verheiratet und fand sich bald in Gistel wieder, wo ihr Leben eine Wendung nahm.
Ihre Schwiegermutter Iselinde verbannte sie auf einen Bauernhof, wo Godeleva unter harten Bedingungen arbeitete und dennoch großzügig ihre dürftige Ration mit den Armen teilte. Doch ihre Leiden sollten nicht enden. Misshandelt von ihrem eigenen Mann und schließlich durch die Hände seiner Diener Lantbert und Hacca erdrosselt, fand ihr Leben ein tragisches Ende. Ihre Leiche wurde in einen Brunnen geworfen, als würden die Dunkelheiten der Welt versuchen, ihr Licht zu ersticken.
Doch die Geschichte von Godeleva nahm eine überraschende Wendung. Der Brunnen, der ihre letzten Augenblicke miterlebte, wurde zu einem Ort des Wunders. Das Wasser klärte sich und die Steine leuchteten weiß, als würden sie die Unschuld ihrer Märtyrerin bezeugen. Bald schon verbreitete sich die Legende von Godeleva, der Märtyrerin aus Gistel, und die Menschen begannen, sie zu verehren.
Die Spuren von Godeleva's Heiligkeit manifestierten sich weiter in Wundern: die Heilung eines blinden Mädchens namens Edith und sogar die Bekehrung ihres einstigen Ehemannes Berthold. Berthold zog sich in die Benediktinerabtei Saint-Winoc zurück, wo sein Mitbruder Drogo seine bewegende Lebensgeschichte niederschrieb.
Am 30. Juli 1084 wurden die sterblichen Überreste von Godeleva durch den Bischof von Tournai erhoben, und heute ruhen sie in der Pfarrkirche von Gistel. Die Abtei Ten Putte, errichtet an dem Ort ihres Märtyriums, wurde ein Wallfahrtsort, dessen Brunnen als heilkräftig galt.
Obwohl die Abtei Ten Putte in der Reformation schließen musste, überdauert die Geschichte von Godeleva in den Herzen der Gläubigen. Ihr Erbe, durchzogen von Opferbereitschaft und göttlicher Gnade, lebt weiter, und die Menschen gedenken der Märtyrerin von Gistel als einer strahlenden Verkörperung des Glaubens.