Ulrich von Augsburg

Lebensgeschichte

Heiliger Ulrich von Augsburg, geboren in der beschaulichen Ortschaft Wittislingen um das Jahr 890, wuchs als Sohn des alemannischen Gaugrafen Hubald von Dillingen und seiner Frau Dietburg auf. Früh für den geistlichen Stand bestimmt, widmete er sich von 900 bis 908 dem Studium im Kloster St. Gallen. Nach dem Tod seines Onkels, Bischof Adalbero von Augsburg, zog er sich 909 auf die familiären Güter zurück, als er bei der Nachfolge übergangen wurde. Die Wege des Glaubens führten Ulrich schließlich 923 auf Empfehlung seines Verwandten, Herzog Burchard I. von Schwaben, nach Augsburg, wo er auf Anraten der Reklusin Wiborada zum Bischof ernannt wurde. Am königlichen Hof von Heinrich I. und Otto I. verkehrte er aufgrund seiner verwandtschaftlichen Beziehungen und beriet Fürsten in spirituellen Angelegenheiten. Ulrich verteidigte energisch die Interessen seines Bistums, befestigte 926 Augsburg mit steinernen Mauern und hielt 955 als Reichsfürst hoch zu Ross die Verteidigung gegen die Ungarn an. Inmitten des Schlachtgetümmels auf dem Lechfeld, nur mit der Bibel in der Hand, wurde ihm der Sieg zugeschrieben, und Otto I. verlieh ihm als Dank das Münzrecht für Augsburg. Nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Ungarn widmete sich Ulrich dem Wiederaufbau zerstörter Klöster und Dörfer, darunter das Kloster Benediktbeuern. Der einst zerstörte Dom in Augsburg wurde unter seiner Leitung neu errichtet, und er gründete das Stift der Kanoniker, das später zum Benediktinerkloster an St. Ulrich und Afra wurde. Ulrich, selbst enthaltsam wie ein Mönch, lebte bescheiden und war großzügig gegenüber den Bedürftigen. Sein Engagement galt auch der würdigen Gestaltung kirchlicher Feiern sowie der Sorge um Arme und Kranke. In regelmäßigen Versammlungen kümmerte er sich persönlich um die Geistlichen und sicherte ihren auskömmlichen Unterhalt. Der Bischof legte großen Wert auf Liturgie und die Pflege der Kirche. Er gründete außerhalb der Stadtmauern das Kanonissenstift St. Stephan und ein Spital. Neben seinem Amt als Bischof war er zeitweise auch Abt des Klosters in Kempten und ab 973 Abt des Klosters in Ottobeuren. Ulrich, der die Messe mit besonderer Hingabe zelebrierte, wurde in schwerer Krankheit von zwei Engeln mit Kelch und Patene unterstützt. Bei der Kelcherhebung wurde ihm die segnende Hand Gottes sichtbar, ein Zeichen seiner besonderen Verbindung zum Göttlichen. Ein Jahr vor seinem Tod wollte Ulrich zugunsten seines Neffen Adalbero zurücktreten, doch die Synode von Ingelheim lehnte dies ab. Sein Tod im Jahr 973 markierte das Ende einer Ära, aber sein Vermächtnis lebte weiter. Seine sterblichen Überreste wurden in der Kirche St. Afra - heute St. Ulrich und Afra - beigesetzt, und sein Grab wurde schnell zu einer vielbesuchten Wallfahrtsstätte. Heiliger Ulrich von Augsburg, Patron zahlreicher Kirchen, wurde in Hymnen, Litaneien und Legenden gepriesen. Wallfahrer erhielten "Ulrichskreuze" als Schutz gegen Unheil, und das "Ulrichsbrünnlein", das auf seine Fürbitte entsprungen sein soll, wurde bei Augenleiden als heilsam betrachtet. Sein Gedenken blieb lebendig, und die Stadt Wittislingen bewahrt noch heute viele Spuren seines Lebens, darunter sein mutmaßliches Geburtshaus und die Grabstätte seiner Mutter Thietburga.

Zitate

„Wenn man die Heilige Schrift zu sehr drücke, so drücke man anstatt Milch Blut heraus“
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