Lebensgeschichte
Heiliger Lanfranc von Canterbury, ein strahlendes Licht der Kirche, wurde um das Jahr 1005 im italienischen Pavia geboren. Schon früh zeigte sich seine tiefe Intellektualität und sein Streben nach Wissen, als er in Bologna, der ersten Universität Europas, die "freien Künste" und Recht studierte.
Nach einer Lehrtätigkeit in Avranches gründete Lanfranc 1040 eine wissenschaftliche Schule in Avranches, die sich rasch einen Namen machte. Im Jahr 1042 legte er, angesichts lebensbedrohlicher Situationen, das Gelübde ab, Mönch zu werden, und trat in das Benediktinerkloster in Le Bec-Hellouin ein. Dort wurde er 1045 Prior und leitete die Klosterschule.
Lanfrancs herausragende Schüler, darunter Anselm von Canterbury und Ivo von Chartres, zeugten von seiner beeindruckenden Lehrtätigkeit. Auf Anweisung von Papst Leo IX. beschäftigte er sich intensiv mit der Abendmahlslehre des Berengar von Tours und nahm an mehreren wichtigen Synoden teil, auf denen Berengar verurteilt wurde.
Im Dienst von Herzog Wilhelm II. von der Normandie unterstützte Lanfranc diesen bei Auseinandersetzungen über die Gültigkeit einer nahen Verwandtenehe. Dankbar ernannte Wilhelm II. Lanfranc 1063 zum Abt des Klosters Saint Étienne in Caen und 1070 zum Erzbischof von Canterbury.
Lanfranc blieb dem normannischen Königshaus eng verbunden, förderte die Anbindung der englischen Kirche an Rom und festigte die Vorrangstellung des Erzbischofs von Canterbury. Er baute die verfallene Kathedrale in Canterbury wieder auf und eröffnete eine Bibliothek.
Nach dem Tod von Wilhelm dem Eroberer unterstützte Lanfranc auch dessen Nachfolger Wilhelm II. Rufus. Sein Wirken prägte die Kirche und das Königreich England maßgeblich. Lanfranc verstarb am 28. Mai 1089 in Canterbury, hinterließ jedoch ein lebendiges Erbe in der Geschichte der Kirche und des gelehrten Wissens.